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Preview: Liebling, ich habe am Audi A8 geleckt (+Video +Podacst)

Okay, okay, ich gebe zu, das habe ich mich nicht getraut. Wohlwissend, dass eine Kamera auf mich gerichtet ist, die jeden Blödsinn für die Ewigkeit festhalten würde. Aber ich habe ihn abgetastet, gestreichelt, geschnuppert und gehört: Audi hatte zur Blindverkostung des neuen Flaggschiffs Audi A8 eingeladen, das wir alle erst nächste Woche zu sehen bekommen werden.

Morgens, halb sechs auf dem Parkdeck des Hamburger Flughafens.
Ich bin auf dem Weg zu einer ungewöhnlichen Autopräsentation. Der neue Audi A8 soll in Ingolstadt vorgestellt werden. Doch die Sache hat einen Haken: Die heute eingeladenen Journalisten und Blogger werden ihn noch nicht sehen können. Nur anfassen, riechen und hören. Denn offiziell wird das neue Edel-Flaggschiff erst nächste Woche in Barcelona vorgestellt.

Klingt verrückt. Ist es auch. Bevor ich mich auf meinen Weg zum Abflug nach München begebe, mache ich den Selbstversuch. Mit geschlossenen Augen taste ich das Armaturenbrett und die Bedienelemente des Audi Q7 e-tron ab, den ich gerade als Presse-Testwagen fahre.

Er ist voll und wertig ausgestattet, meine Finger gleiten langsam über die verschiedenen Oberflächen, umspielen die Bang & Olufsen-Box links in der Ecke, finden die Aussparung des Head Up Displays, fühlen das Leder und die Nähte auf dem Lenkrad, ertasten die Konturen des Mitteldisplays.

Ich öffne die Augen wieder. Und schaue in ein entgeistertes Gesicht. Genau gegenüber hat jemand eingeparkt und beobachtet nun mein Tun mit aufgerissenen Augen. Ich muss einen verstörenden Eindruck hinterlassen haben.

Blinde Kuh mit einem Auto

Zwei Stunden später in München. Auf einem blickgeschützten Gelände mit ein paar schmucklosen Lagerhallen warte ich mit einigen Journalisten und Bloggern auf meinen Einsatz. Es wird über Neuerungen spekuliert und gelacht, alle sind aber auch ein bisschen nervös bei der Vorstellung, gleich mit verbundenen Augen ein Auto abzutasten, während Audi-Entwickler und -Designer, ein Kameramann und ein Fotograf dabei zuschauen. Um die Zeit zu überbrücken, erzähle ich auf Facebook, was ich da so heute treibe – und bekomme allerlei Steilvorlagen von meinen geschätzten Facebook-Freunden: Danke, Nina, für den Tipp mit dem Anlecken – auch wenn ich gekniffen habe. 😛

Dann geht es endlich los: Jeder bekommt seinen eigenen Zeitslot. Ein exklusives Erlebnis mit dem exklusiven Neuwagen, den noch kein Normalsterblicher bisher gesehen hat. Als ich an der Reihe bin, ertappe ich mich bei einem bisschen Herzklopfen. Wann muss man sich schon mal so einlassen?

Ich werde in eine Halle geführt, in der unverkennbar ein Auto steht. Ein ziemlich großes. Allerdings sehe ich nur Konturen, ein Tuch verhüllt weich markante Linien: Auf den ersten Blick sieht es eigentlich aus wie ein gewöhnlicher A8.

Ich werde einigen der A8-Macher vorgestellt: Simona Falcinella – Head of Colour and Trim, Karsten Belz – Entwicklung Klima/Olfaktorik, Michael Zeyn – Entwicklung Anzeige- und Bedienkonzepte, Wolfram Jähn – Entwicklung Sound und Akustik.

Sinn und Sinnlichkeit

Bei dieser Team-Vorstellung wird nochmal deutlich: Heute geht es um Sinnlichkeit. Fühlen und Erleben. Dass der visuelle Teil ausgespart wird, fällt mir als Fotografin allerdings schwer. Und vor der Kamera zu stehen ist auch ungewohnt: Noch ein Bild vor dem verhüllten Auto, dann bekomme ich die Schuhe ausgezogen, die Augenklappe aufgezogen, das Tuch wird entfernt, und es geht los.

Habt ihr schon mal Euren Kühlergrill abgetastet?

Habt ihr schon mal Euren Kühlergrill abgetastet?

Simona Falcinella nimmt meine Hände, führt mich zur Front des großen Wagens und lässt mich erst mal die Dimensionen des Kühlergrills ertasten. Ich glaube, der ist groß. Sehr groß. Aber ehrlich gesagt: Ich habe wirklich keinen haptischen Größenvergleich.

Und als ich heute abend zurück nach Hamburg gekommen bin, konnte ich nach meiner morgendlichen Begegnung so gerade dem Impuls widerstehen, auf dem Parkdeck des Flughafens den Grill des Q7 zu begrabbeln.

Weiter geht es zu den Scheinwerfern, bei denen ich vermute, dass es sich um LED-Scheinwerfer mit Laser Spots handelt. Aber das habe ich nicht wirklich erfühlt, das ist nur eine Idee.

Markante Kante

Auffällig ist eine wirklich markante Kante, die an den Seiten des Fahrzeugs entlang führt. An ihr habe ich mich lang gehangelt, und über sie bin ich haptisch auch immer wieder „gestolpert,“ weil es mir schwer gefallen ist, diese Kante mit der gewohnten Audi-Harmonie in Einklang zu bringen. Zu scharf in ihrem Profil fühlte sie sich an, zu breit und groß um sie passend an das Auto zu visualisieren. Doch jetzt, wo ich die Fotos sehe, bin ich mir tatsächlich nicht mehr sicher, ob es nicht mit meiner temporären Blindheit und den dadurch angespitzten anderen Sinnen zu tun haben könnte, dass ich diese Leiste als so breit oder tief empfunden habe.

Andererseits: Je länger ich mir diese beiden Fotos anschaue, desto sicherer bin ich, dass es sich um andere Kanten handeln muss. Liebes Audi-Team: Präsentation gelungen, Probandin verwirrt 😉

Groß, größer, Raumklang

Simona führt mich auf den Rücksitz hinter den Beifahrersitz. Spätestens hier wird deutlich, dass dieses Auto wie seine Vorgänger ein Auto für Vorstände und Staatsoberhäupter ist. Das ist keine Rücksitzbank. Das ist Chefsessel, Fernsehcouch, Massagesessel und Mission Control Center in einem. Die Show geht los, wenn der Beifahrersitz umgeklappt ist und die Füße darauf Platz finden – und ebenso massiert werden, wie der Rücken!

Mission Control Die Mittelkonsole links neben mir ermöglicht die Bedienung von Radio, Telefon, Soundsystem, die Fernsteuerung des Panoramaglasdachs, und wie ich nun auf den Fotos sehe auch die Dosierung des Raumduftes. Aber dazu später mehr.

Das Auto ist wirklich groß. Ich hatte mal ein WG-Zimmerchen von 10 Quadratmetern, und ich bin sicher, dass dieses Auto insgesamt größer ist 😉 Trotzdem reicht auch der Raum in einem großen Auto nicht aus, um einen satten und runden Sound erleben zu können, häufig scheppern zum Beispiel Höhen gegen Metalle und Fensterscheiben. Doch als Wolfram Jähn vom Fahrersitz aus die Bang & Olufsen-Anlage aufdreht, die in Zusammenarbeit mit dem Fraunhoferinstitut einmal mehr perfektioniert wurde, scheppert nichts. Im Gegenteil: Über den plötzlichen Raumklang irritiert mutmaße ich einen Moment lang eine List: Vielleicht sitze ich gar nicht in einem Auto? Aber es gibt keinen Zweifel: Der Sound ist satt und klar. Und obwohl ich mich aus meiner bequemen Massageposition heraus bemühe und versuche die Lautsprecher zu verorten, gelingt es mir nicht.

Die Soundzauberer

Erst als Simona die Tür öffnet und meine Hand zum Lautsprecher über mir führt, wird mir klar, dass eine der Boxen direkt über meinem rechten Ohr schwebt. Wie oft glaubt man sonst, Musik nur aus der einen Box zu hören, die einem am nächsten ist. Der 3D-Klang in diesem Auto dagegen ist perfekt ausbalanciert.

Als Simona mir von den offenporigen Naturmaterialien erzählt, die im Audi A8 Verwendung finden, erzählt sie auch, dass diese nicht nur für die Wertigkeit und das gute Gefühl eingesetzt werden: Auch sie dienen dem Raumklang, dessen Entwicklung vermutlich ebenso aufwändig sein dürfte, wie der in der Elbphilharmonie. Jeder Stoff, jede Chromleiste, jeder Holzfläche ist mit relevant für den Sound. Hier wird klar, wie eng die Entwickler und Designer der verschiedenen Gewerke Hand in Hand arbeiten müssen, um Ergebnisse zu erzielen, die der Perfektion so nahe kommen.

Überhaupt, die Materialien. Egal was ich berühre: Alles fühlt sich wertig an. Leder und Stoffe, Holz und Glas, Alu und Chrom, selbst die eingesetzten Kunststoffe haben einen besonderen Grip. Ich lasse die Nähe unter meinen Fingerspitzen entlang laufen. Sie fühlen sich an, als seien sie für eine Ewigkeit genäht.

Nahtlose Wogen

Die Reise geht weiter: Ich muss wieder aussteigen. Ich hangle mich weiter an der Seite entlang zum Heck und finde eine der beiden Heckleuchten, die sich um den Hintern des A8 schmiegen.

Meine Hände wandern über die Heckklappe, die in einer kleinen Woge fast nahtlos ins gläserne Panoramadach überzugehen scheint. Dann darf ich mich endlich nach vorne auf den Fahrersitz hangeln.

Alles Display oder was?

Nun wird es nochmal spannend. Das Lenkrad mutet auf den ersten Griff unspektakulär vertraut an, und auch wenn die Materialien des Armaturenbretts wie überall in diesem Fahrzeug zum anfassen und streicheln geradezu einladen, so scheint es hier überraschenderweise keine spektakulären Neuerungen zu finden. Sogar den versenkbaren B&O-Lautsprecher, den ich morgens schon beim Q7 ertastet hatte, finde ich hier wieder.

Doch halt, was ist das: Es gibt kein zentrales feststehendes Display, und auch keinen Hinweis darauf, dass sich irgendwo ein versenkbares verbergen könnte.

Mal durchs Lenkrad luschern

Mal durchs Lenkrad auf das zentrale Steuerungsdisplay luschern

Stattdessen finden meine Hände dort, wo sich sonst Lüftungsdüsen, Radio, Klimasteuerung und eben alle anderen Bedienelemente wie Parkassistent, Warnblinklicht und Co befinden eine einzige, angenehm glatte Fläche. Und diese Fläche scheint kein Ende zu nehmen. Wenn ich es richtig wahrgenommen haben, zieht sie sich von einer versenkbaren linken Lüftungsdüse, nur unterbrochen vom Lenkrad, bis ganz zur rechten versenkbaren Lüftungsdüse.

Und ich weiß nicht, was ich verstellt habe – wahlweise drehte mal die Klimaanlage, mal der Sound hoch – aber wenn ich aus Versehen etwas auf diesem zentralen Teil des Display gedrückt habe, machte es Geräusche, die jenen des Drehdrückstellers sehr ähnlich sind. Und mehr noch: Es gibt eine fühlbare Resonanz, ein Tick, eine Reaktion, während man eine Einstellung vornimmt.

Unter einer Stufe nach unten geht dieses Display weiter. Also dort, wo sonst das MMI platziert ist, und dieses Display hat dessen Aufgaben wohl übernommen. Mehr noch: Hier wird sich wohl auch die Steuerung der Fahrassistenzsysteme befinden.

Bevor ich aussteige fällt mir noch einmal auf, dass etwas fehlt, was sonst so typisch für Neuwagen ist: Eben der Duft eines Neuwagens. Über den streiten sich die Gemüter, denn für die einen gehört er unablässig zum Kauf eines Neuwagens hinzu, andere können gern darauf verzichten. Der Audi A8 riecht nicht neu. Sondern frisch. Und zwar normalfrisch. Nicht frühlingstagduftigpinkfrisch oder sommeraromaübertriebenfrisch oder gar duftbaumschrecklich. Sondern unauffällig normalfrisch eben. So eine Frische, die man einfach gut atmen kann.

Erst nach meiner Blindverkostung erfahre ich, dass es für dieses Raumklima einen Ionisator und tatsächlich ein Sommer- und ein Winterparfum gibt. Und bin erleichtert. Denn ich hatte während des Tasterlebnisses immer mal wieder Sorge, dass ich etwas drücken könnte, das eine übertriebene Dosis eines schaurig künstlich riechenden Raumparfums ins Auto nebelt. Und das hätte meine sinnliche Wahrnehmung dieses Autos einfach zunichte gemacht. Dass mir nicht aufgefallen ist, dass der Audi A8 beduftet ist, ist für mich persönlich das höchste Maß an olfaktorischer Kunst.

Gefühlsfazit für den Audi A8

Tja, was soll ich über ein Auto sagen, das ich noch nie gesehen habe und das ich vermutlich nie fahren werde – außer vielleicht als Testwagen? Während der Erkundung des Fahrzeugs habe ich das Gefühl für Zeit und Dimensionen verloren. Ich habe keine Ahnung, wieviel Zeit ich in diesem Auto verbracht habe, und bei der Einschätzung mancher Dimensionen bin ich mir nicht sicher, ob meine Sinne mir nicht manchmal einen Streich gespielt haben.

Kurz zusammen gefasst kann ich aber sagen: Grandioses Gerät. Nun bin ich um so neugieriger auf die Enthüllung kommende Woche, und bin gespannt, ob ich wiedererkenne, was ich ertastet habe. Ich werde Fotos machen – endlich 😀

Audi A8 undercover

Die Enthüllung findet am 11. Juli 2017 in Barcelona statt

Danke an das Audi-Kommunikationsteam für diese völlig verrückte Idee. An Entwickler und Designer für die Begleitung bei diesem Erlebnis. Und an Daniel Wollstein und Graeme Fordham für die Fotos. Und ein Video von Andreas Wagenhofer wird es auch noch geben – darauf bin ich sehr gespannt 😉

Den Link findet Ihr dann demnächst hier unter:

Weiterführende Links

Tom Schwede – Geheimnisträger

Jan Weizenecker – Blindverkostung

 

 

 

    

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