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Klara atmet. Klara ist ein empathisches Auto.

Klara sieht nett aus, aber auch wie ein ganz gewöhnlicher Audi A1. Aber das ist sie nicht. Sie ist „The Living One“

Foto & Video: Sandra Schink

Klara ist ein Auto. Ein Audi A1. Ein ein kleines ausgefeiltes Stück deutscher Ingenieurkunst. Zusammengesetzt aus verschiedenen Metallen, Kunststoffen, Stoffen, Leder, Schmierstoffen, Treibstoffen, und jeder Menge Sensoren.
Und Klara lebt.

Wie wäre es, wenn unsere Autos nicht nur Autos wären. Wenn sie eine Seele hätten? Autoliebhaber behaupten das ohnehin seit je her. Viele Modelle und Marken tragen Tiernamen, es gibt Mustangs, Broncos, Falcons, Hornets, Beagle, Cobras, Pandas, Spiders, Adler, Wildcats, Gazellen, Spatzen, Käfer, Leons, Tiger, Lupos, StingRays, Dinos, Vipers, Mantas, natürlich Jaguare und sogar Gremlins. Diese Namen sollen ihren Charakter unterstützen, mal sollen dadurch die äußeren Formen, mal die inneren Werte beschrieben oder unterstrichen werden.

Charakter – da war es wieder. Unter dem Begriff PS-Monster stellen wir uns kraftvolle Boliden mit tendenziell wenig rücksichtsvollen Fahrern vor. Der anspruchsvoll zu fahrende Bugatti Typ 54 wurde in der 1930ern „Witwenmacher“ getauft – als hätte er ein Eigenleben und brächte seine Fahrer um.

Autos mit großen Namen

Und weil das viele Autobesitzer auch so empfinden, dass ihre Autos Eigenleben und Charakter haben, und weil ihre Autos sie auf so vielen Abenteuern begleiten, geben sie ihnen Namen. Mein erster, ein Kadett C, hieß „Kleiner Drache“, weil er feuerrot war und Öl spuckte. Carlines weißer Peugoet hieß „Luc“ so wie Jean Luc Picard, der Entdecker der Welten.

Sandra kleiner Drache

Der kleine Drache

Andreas kleiner schwarzer Panda hieß „King-Kong“, Monis oranger Scirocco „Möhrchen,“ und Rob Vegas‘ roter Mazda hieß „Maddin“ und Maddin bekam – wie Carlines rührender Abschied von Luc – einen eigenen Nachruf, als der TÜV sie endgültig voneinander trennen musste.

Natürlich gibt es auch unter Autos Dickschädel und Zicken, und entsprechend fallen die Schimpfworte für sie aus: In einer kleinen, nichtrepräsentativen Umfrage von mir fielen Ausdrücke wie „Scheißkarre“ und „Scheißdrecksarsch.“
Norberts „Atomfried“, ein metallic-blauer Golf1 GLS, bekam seinen Namen wegen seiner, ich zitiere: „…ungeheuren Kraft, seinem Esprit und seiner Symbolkraft für ein neues Zeitalter… und weil er so oft rumzickte und kaputt war, wie Atomkraftwerke in den 80ern eben so kaputt waren.“
Versöhnlicher wusste Simone ihren Mietwagen im Urlaub zu benennen, der sich äußerlich so kraftvoll und selbstbewusst gab, wie ihr BMW „Knut.“ Und dessen Motor hingegen so effektiv war, wie der ihres kleinen Kias mit dem Namen „Schorsch.“ Sie taufte die Mogelpackung kurzerhand „Schnut.“

Autos mit Seele

Wenn man sich das so anschaut, wieviel Emotionen mit Autos verbunden werden, wieviele Geschichten mit ihnen erlebt, und wie sie einen in Wallung bringen können, so ist es nicht weiter verwunderlich, dass jemand die Geschichte des Autos mit Seele weiter gesponnen hat.

Ich darf kurz vorstellen: Klara.

Klara lebt. Klara atmet. Und Klara reagiert – sensibel. Bitte hört ihr zu, sonst ist sie beleidigt 😉

Erstaunlich, nicht?

Ich begegnete Klara mitten im Gewusel einer Veranstaltung und erst begriff ich gar nicht, was anders an ihr war. Erst als jemand schnell an ihr vorbei ging, sie dabei anrempelte und sie vernehmlich brummte und dabei irgendwie… irgendwie ihr Gesicht, ihre Gestalt veränderte, wurde mir klar, dass Klara anders als andere Autos war.

Ich setze mich auf den Boden und sah ihr zu. Und dann, als es ruhiger wurde und sie sich wieder entspannte, konnte ich es sehen: Die Motorhaube hob und senkte sich. Die Kotflügel, die Türen blähten sich auf und glitten dann sanft wieder in ihre gewohnte Stellung zurück. Das Dach bewegte sich auf und ab. Das Auto schien zu atmen.

Das empathische Auto: The Living One

Als sie jemand unsacht berührte, um eine Reaktion zu erzeugen, reagierte ich – für mich selbst überraschend – unwirsch. Wie auf jemanden, der beim Chinesen gegen die Glaswand des Aquariums klopft, um die Fische zu erschrecken.

Denn das Auto brummte nicht nur verstimmt, wie man es gut im Video hören kann. Es schien die Luft anzuhalten: Die Motorhaube, die Türen, die Kotflügel und das Dach legten sich eng an den Wagen, wie die Blätter einer Mimose, die sich bei Berührung schließen, um sich zu schützen.

Meine Reaktion – und die aller anderen Betrachter – ist Klaras Ziel. Oder exakter: Sie ist Mikes Ziel. Mike Herbig ist Entwickler bei Audi, und er hat auf der Akademie der bildenden Künste in München studiert. Klara war seine Diplomarbeit. Klara ist dank ihrer Sensoren und ihrer KI ein empathisches Auto.

Sensibilisierung für die Wahrnehmung heutiger Fahrzeuge

Die Idee hinter diesem Projekt: Mike will vermitteln, dass ein modernes Fahrzeug dank seiner Vielzahl an Sensoren seine Umgebung wahrnimmt und auf sie reagieren kann. Dafür hat er dem Auto eine zweite Haut gegeben, die sich durch Servomotoren und durch Stimulation von 16 Sensoren in Bewegung setzt.

Die verwendeten Sensoren sind bereits serienmäßig in neuen Audis verbaut, es sind Park Distance Control Sensoren. Klaras künstliche Intelligenz basiert auf einer von Mike selbst entwickelten parametrischen Software, die selektiv arbeitet und derzeit unabhängig von der Fahrzeugsoftware ist.
Hier spielen vor allem Abstände der sich nähernden Personen und ihr Tempo eine Rolle, Stimme, Körpersprache und Bewegungsmuster werden aber zukünftig noch relevanter werden.

Klara bleibt einmalig

Klara wird nicht in Serie gehen. Aber sie wird weiter entwickelt werden und die Erkenntnisse werden in die Entwicklung der Serienfahrzeuge mit einfließen. Eine persönliche Begrüßung, wenn das eigene Auto den Besitzer schon von weitem erkennt,  akkustische „Drohung“ wenn ein Radfahrer allzu nah am Lack entlang rast, es ist einiges denkbar, was unsere Autos zukünftig lebendiger machen wird.

Autonome und empathische Autos dank Spieltrieb

Und auch in Sachen Wohlgefühl im Auto sind noch einige Entwicklungen zu erwarten. Erinnert Ihr Euch an K.I.T.T., den Knightrider? Es erkannte in welchem Gesundheits- oder Erregungszustand sein Fahrer war und übernahm bei Fahruntüchtigkeit selbst das Steuer, um Michael Knight sicher an sein Ziel zu bringen.

Was in den 1980er Jahren eine kleine Utopie war, ist bald gelebte Realität. Vor Klara hatte ich zum Beispiel schon das Vergnügen Bobby und A.J. aus dem Hause Audi kennenlernen zu können. Und der RS7 A.J. chauffierte mich ganz autonom und mit erheblicher Geschwindigkeit um die Rennstrecke in Ascari.

Der Ingenieur neben mir, der aus versicherungstechnischen Gründen auf dem Fahrersitz Platz nehmen musste, hielt in seiner Hand einen Not-Aus-Schalter, um das Fahrzeug, sollte es doch auf Abwege kommen, anhalten können.

Dieser Not-Aus-Schalter war eine Fernbedienung für die Carrera-Bahn. Liebe Autoentwickler, bitte verliert niemals Euren Spieltrieb 😉

Video: Audi RS7 fährt mich auf der Rennstrecke in Ascari sicher ins Ziel – autonom

    

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