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Smart durchs gute Leben

Foto: Sandra Schink

Als ich 2007 das erste mal ein iPhone in der Hand hielt, da dachte ich: Nettes Spielzeug. Statussymbol. Das hat nichts mit mir zu tun. Ich brauche das nicht. Heute werde ich nervös, wenn ich ohne das smarte Kontaktgerät aus dem Haus gehen muss – und sei es nur, wenn ich den Müll runter bringe.

Manche mögen das Abhängigkeit nennen. Wenn ich mir überlege, welche Werkzeuge ich durch das iPhone immer dabei habe, von denen ich früher abhängig gewesen bin, dann ist das iPhone aber das kleinere Übel. Ich brauche keinen Falt-Stadtplan mehr, wenn ich in fremden Gegenden unterwegs bin, keine Taschenlampe um den Gartenweg zu beleuchten, keinen Taschenrechner, keine Kompaktkamera, die ich als Fotografin für Notfälle immer dabei hatte. Hinzu kommen die neuen Möglichkeiten durch mannigfaltige Apps. Ich muss nicht zum Bahnhof um Tickets zu kaufen, kann in meinen Flug einchecken und brauche keinen Boardingpass mehr, kann das Wissen der Welt abfragen, wenn in Diskussionen Fakten gefragt sind, und ich kann auf viele Arten kommunizieren.

Letzteres ist letztlich das, was ich als am anstrengendsten empfinde und was es zu optimieren gilt: Zuviele Kommunikationskanäle machen mich dauerhaft nervös und setzen mich häufig unter Zugzwang. Oft muss ich mir dann sagen: Wenn Du nicht sofort reagierst, dann geht die Welt nicht unter. Dann geht es.

Smart Home gesteuert per Smartphone

Dieses smarte digitale Multifunktionstool wird es auch sein, das eine wesentliche Rolle in unserem zukünftigen Smart Home spielen wird. Wir werden die Heizung schon von unterwegs hochdrehen können, wenn wir noch auf dem eisigen Winterweg nach Hause sind. Wir werden nachsehen können, was im Kühlschrank ist, und wir werden kontrollieren können, wer in unserer Abwesenheit ums Haus schleicht. Wir werden nicht nur, wir können das schon, denn alles ist bereits erfunden und umgesetzt. Und täglich kommen neue smarte Dinge auf den Markt. Und so wie das iPhone als Vorreiter aller Smartphones zunächst so abstrakt und unnötig erschien, so werden wir uns bei dem einen oder anderen smarten Gerät auch fragen, ob wir das nun wirklich brauchen.

Was es wohl mit uns macht?

Es wird spannend sein zu beobachten, was all diese neue Smartheit mit uns machen wird. So sehr uns das Smartphone viele AthazagoraphobieDinge des Alltags erleichtert, sosehr es uns Zeit und Wege spart, so sehr hat es uns doch auch so vieles genommen. Eine höfliche Gesprächskultur zum Beispiel, die nicht vom Blick auf das Display unterbrochen wird. Viele Menschen können nur noch ein Essen genießen, wenn sie vorher ein Foto davon gemacht haben. Aber weil es später so schön ist zu sehen, wann man wo mit wem essen war, gehört es heute einfach oft dazu. Vielleicht wird ein Implantat, das Erinnerungen festhält, irgendwann gerade deshalb auf große Akzeptanz stoßen. Weil man sich erinnern will. Auch dann, wenn man vergesslich wird. Erinnerungen sind Geschichten, und wir Menschen lieben Geschichten.

Die Kehrseite ist der Umgang mit all den Daten über uns, die wie dann, vielleicht zunehmend achtlos und freigiebig, an die Industrie übermitteln. Zu keiner Zeit war es einfacher, Menschen mit ihren Interessen, Fähigkeiten und Schwächen zu analysieren, die Daten auszuwerten – und zu interpretieren.

Werden Headhunter uns irgendwann auf Basis solcher Daten suchen und finden? Werden Krankenkassen Rauchern Strafgebühren aufbrummen und Sportler mit Gesundheitsprämien belohnen? Wer wird – offiziell oder inoffiziell – Zugriff auf unsere Profile haben und was wird er damit tun können? Werden Ganoven unsere intelligenten Sicherheitssysteme in unseren Smart Homes hacken können? Werden selbstfahrende Autos mithilfe eines Smartphones gecarnapped werden können?

Es kann sein, dass unser Leben (noch) einfacher werden wird, als wir es uns vorstellen können. Es kann sein, dass die Sicherheit, die wir uns vielleicht versprechen, nur eine trügerische ist. Es kann sein, dass Smart Living soviele Nebenwirkungen mit sich bringt, dass wir irgendwann gezwungen sein werden, bei unserem ganz eigenen Home-Skynet den Stecker zu ziehen. Es kann aber auch sein, dass wir unsere Welt mithilfe von smarten Technologien wieder ins ökologische Gleichgewicht bringen können, weil wir alles messen, alles analysieren und alles optimieren können.

Smart Living – Mehr als nur intelligente Vernetzung

Zum smarten Leben gehören für uns aber nicht nur elektronische oder digitale Lösungen dazu. Auch intelligent gefertigte Produkte können smart sein, wie die Espressotassen aus Kaffeesatz von Kaffeeform. Weil es zum guten Kaffeegeschmack des fair getradeten Kaffes ein gutes Gefühl gibt, aus stilvoll und intelligent gefertigten Tassen zu trinken, die auch noch was für die Umwelt tun. Oder zumindest nichts gegen sie.

Denn smart heißt ja schlau. Und wie schlau dieses „smart living“ ist und werden kann, das werden wir genau beobachten. Und berichten.

 

 

    

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