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Ich habe 1.000 Autos: car2go Black Carsharing im Test

Mercedes B-Klasse zum Mitnehmen

Foto: Sandra Schink

Carsharing-Angebote wie Flinkster, DriveNow und car2go machen eigene Autos in den Städten obsolet. Kombiniert mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Stadträdern bringen – je nach Anbieter – Smarts, Minis, aber auch BMW-Cabrios und Mercedes C-Klasse-Kombis den Städter fließend über kurze Wege durch die Stadt oder auch mal zur Ausfahrt ins Grüne.

Mit car2go Black hat Daimler sein Mobilitätskonzept nun städteübergreifend erweitert: Derzeit 200 neue B-Klasse-Fahrzeuge kann sich jeder angemeldete Kunde einfach mit einer App aus Parkhäusern in Hamburg und Berlin abholen und los fahren. Zwei Tage lang habe ich den neuen Service getestet. Eine Dokumentation zwischen technischen Tücken und Fahrspaß.

Ich lebe sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Auf dem Land fahren wir einen Fiat Doblo, und der ist dort unersetzlich: Unsere fünfköpfige Familie passt bequem gemeinsam mit Großeinkäufen, mehreren BMX-Rädern oder den üblichen Gepäckbergen zum Urlaub hinein. Er ist zuverlässig, genügsam und bald abbezahlt. Und wird dann sicher noch ein paar Jahre seinen Dienst tun, bis unsere Jungs selbst motorisiert sind.

In Hamburg brauche ich kein eigenes Auto. Ich fahre überwiegend S- oder U-Bahn, im Sommer gern kombiniert mit einem Stadtrad. Und wenn ich mal einen etwas größeren Einkauf für meinen Stadt-Single-Haushalt tätige oder ausnahmsweise für eine Strecke dreimal umsteigen müsste, greife ich gern auf einen Smart von car2go zurück, wenn die Verkehrslage es erlaubt.

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Für die schnelle Langstrecke nehme ich den Mietwagen

Flottere Langstreckenfahrzeuge habe ich bisher gemietet: Bei Europcar bekomme ich dank des Hamburger Hochbahn-Kombi-Angebotes switchh 20 Euro Rabatt auf jede Miete. Das sind dann meist kleine flotte Autos aus der Polo-Klasse, einfach One Way gemietet oder auch mal für ein Wochenende.Das kommt zugegebenermaßen selten vor. Auf meiner Hausstrecke Hamburg-Düsseldorf fahre ich am Liebsten mit dem Hamburg-Köln-Express HKX – und steige in Düsseldorf dann bei Bedarf wieder in eins ‚meiner‘ car2gos. Ein Mietwagen beginnt sich erst zu lohnen, wenn ich Reisebegleitung habe, oder wenn es vor Ort keine Carsharing-Angebote gibt.

Manches Mal hat es mich gereizt, ein paar Euro mehr auszugeben und ein spannenderes und schickeres Auto zu mieten, statt praktisch und preisbewusst zu denken. Ergeben hat es sich bisher nie, ich miete einfach zu selten.Als mir beim Log-In auf der car2go-Homepage dann das neue car2go-Black-Angebot offeriert wurde, war ich gleich angefixt. Zwar steht eine Mercedes B-Klasse auf meiner Bucket List nicht unbedingt ganz oben. Aber so einen schicken, edlen Mercedes mal zu testen juckte mich dann schon in den Fingern. Also habe ich meinen car2go-Account kostenlos zu einem moovel-Account geupgradet, der für die Nutzung des Angebotes nötig ist, und die nächste passende Gelegenheit zum Testen genutzt.

car2go Black: Eine App, ein Auto, und los geht es – theoretisch

Für einen ganztägigen Fototermin zwei schwere Fototaschen nach Buxtehude transportieren macht mit der S-Bahn keinen Spaß, und ein kleiner Smart von car2go kostet für diesen Zeitraum 59 Euro plus 0,29 Euro für jeden Kilometer ab dem 51.Da klingen 49 Euro Tageskurs für eine B-Klasse plus 0,29 Euro für jeden Kilometer ab dem 51. deutlich attraktiver. Also schnell die App (>>iOS >> Android) geladen, mit meinen moovel-Daten eingeloggt und Ausschau nach ‚meinem‘ Mercedes gehalten. Anders als bei den kleinen car2go-Stadtflitzern sind die Fahrzeuge nicht überall in der Stadt zu finden. Die schwarze Flotte ist in Hamburg derzeit auf drei Parkhäuser verteilt:

 

Am Flughafen, im Parkhaus des Einkaufszentrums Hamburger Meile und im City Parkhaus nahe des Jungfernstiegs. Ich wähle das City Parkhaus aus – und zögere mit der Reservierung eines Wagens. Die App zeigt mir viele ungeordnete schwarze Punkte an, und ich habe keine Ahnung, wie ich da ‚mein‘ Auto im Parkhaus finden sollte. Ich reserviere nicht und laufe einfach los. Von der Rosenstraße aus betrete ich das Parkhaus und bin erleichtert, gleich rechter Hand die ersten ‚Blacks‘ zu sehen. Hübsch poliert, nagelneu, ordentlich aufgereiht, sehr einladend.Doch das Öffnen eines Fahrzeugs gestaltet sich schwieriger, als ich erwartet hatte.

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#RTFM – Mit etwas Vorbereitung wäre das nicht passiert

Ich bin zugegebenermaßen etwas leichtgläubig an die Sache heran gegangen. „Als routinierte car2go-Nutzerin wird sich mir das schon alles leicht erschließen.“ habe ich gedacht. Zwei Dinge habe ich dabei nicht beachtet: Mir etwas mehr Zeit einzuräumen um noch unbekannte Unwägbarkeiten abfangen zu können. Und dass eine B-Klasse kein Smart ist.

Ich mache es kurz: Bei dem was nun folgt, handelt es sich um einen klassischen Anwenderfehler. Ich wollte eigentlich zeigen, wie einfach es ist, ein car2go Black zu fahren: Einsteigen, starten, losfahren.
Nun, es gestaltete sich dann doch etwas schwierig, den Schlüssel zu finden. Lieber car2go-Black-Support, so sieht es aus, wenn Eure Kunden im Cockpit rotieren, bevor sie Euch anrufen. 😉


Der Schlüssel verbirgt sich also – recht logisch eigentlich – im Handschuhfach, aufgehängt mit einem Chip, und ich hatte ihn unter der Park- und Tankkarte einfach nicht gesehen. Ich war davon ausgegangen, dass ich jetzt nur noch auf einen Startknopf drücken muss.

Bei der Suche habe ich allerdings verzückt feststellen können, dass sich in der Armlehne ein Multi-Adapter-Ladekabel für Smartphones verbirgt. Das ist ziemlich großartig, wenn man wegen verzweifelter Empfangssuche mit der App gerade sein iPhone zur Hälfte entladen hat.
Ist das Auto einmal gestartet erklärt sich vieles von selbst. Wenn dann auch nicht alles. Das Licht geht an, wenn es gebraucht wird. Dass man das Navi (ich dachte, es sei ein Touchscreen) mit einem Drehknopf in der Mittelkonsole bedient habe ich durch Zufall entdeckt.

Das Auto und mein iPhone wollten sich partout nicht via Bluetooth miteinander verbinden. Und die Kombination Tempomat vs. Speedtronic hat mich das eine oder andere Mal zur Verzweiflung getrieben (Dieses Auto beschleunigte, wenn ich eine neue Geschwindigkeit vorgeben wollte und bremste ab, wenn ich den Tempomat einschalten wollte. Das war nicht lustig.)

Resümee des ersten Testtages:
Ortskundige werden nachvollziehen können, dass sich der Fahrspaß auf der Strecke Hamburg-Buxtehude am Tag vor einem Feiertag in Grenzen hält: Stau und Stop and Go wechselten sich auf der ganzen Länge von 38 Kilometern ab. Doch das kurze Stückchen Autobahn, auf dem ich zwischendurch doch mal beschleunigen konnte, reichte, um einen neuen Plan zu fassen.
Denn das Auto fühlt sich gut an und man wünscht sich, es auch mal fahren zu können.

Ist die B-Klasse familienkompatibel?

Nur einen Tag später stehe ich wieder im Parkhaus an der Rosenstraße. Diesmal im Bereich links hinter der Einfahrt. Pro-Tipp: Der Empfang ist hier deutlich besser und es gibt keine Schwierigkeiten mit der App. Diesmal klappt das Anmieten also wie am Schnürchen. Und diesmal finde ich auch zufällig eine Kurzanleitung zum Mieten, Parken, Tanken und Abgeben in der Fahrertür unter dem Eiskratzer, die ich am Vortag zusammen mit Park- und Tankkarten und dem Schlüssel im Handschuhfach gewähnt hätte.Der Plan: Sohn Ben (12) zum Geburtstag mit einem Tagestripin den BMX-MellowparkBerlin überraschen. Und die ganze Familie mitnehmen: Mann, Sohn Malte und den Opa.

Die B-Klasse ist zwischen Van und Kompaktklasse angesiedelt. Genauer angesehen hatte ich mir das allgemeine Platzangebotund den Kofferraum am Vortag aber nicht. Als ich in unserem Dorf 35km östlich von Hamburg ankomme, um die Familie einzusammeln, kann ich erleichtert darüber sein, dass Opa Kurt keine Lust auf Berlin hat, denn die B-Klasse ist nur einViersitzer. Und Bens BMX hätten wir nicht in den Kofferraumbekommen, ohne es auseinander zu schrauben.
Da auch der große Sohn auf eine Mitfahrt verzichtet, klappen wir einfach eine Hälfte der hinteren Sitzbank um, was die Ladeflächebeachtlich vergrößert: Das BMX passt bequem hinein, und wir können starten.

Wir hatten einen tollen Tag in Berlin und Ben war happy. Mit dem Doblo hätten wir diesen Trip nicht gemacht, das wäre einfach zu nervig gewesen. Wir hatten dank des Feiertages freie Bahn und es hat Spaß gemacht, ein Auto zu fahren, das beim Durchtreten des Gaspedals auch tatsächlich reagiert 😉

Erkenntnis über die ich noch nachdenken muss: Man merkt die Geschwindigkeit nicht. Bei 200 km/h fühlt man sich immer noch vollkommen sicher – beim Fiat Doblo hab ich bei 160 km/h Angst, dass er ausbricht (oder was abbricht). Das führt zu dem bekannten Ungleichgewicht auf der Autobahn: Ich klebte mit der B-Klasse schneller hinter so einem Doblo, als ich gucken konnte und war dankbar um das gute Bremssystem des Mercedes.

Sonst bin ich diejenige, die genervt auf Raser reagiert. Jetzt gehöre ich selbst dazu – fühle mich aber nicht so. Raser, das waren früher die Jungs mit ihren gepimpten Kisten mit Pommestheken, Sportauspuff, schön linke Spur, Lichthupe, volles Programm.

Heute gucken alle Autos aggressiv, pardon, sportlich, und viele sind es auch. Die kommenden Jahre werden in Sachen Mobilität sehr spannend werden: Selbstfahrende Autos, die ihre Menschen chauffieren, werden sich mit Menschen, die gerne selbst das Lenkrad ihrer schnellen Autos in den Händen halten, die Straßen teilen. Ob das die Straßen sicherer machen wird? Wir werden sehen.
Aber ich schweife ab…

Sicher bin ich beim Punkt Carsharing: In 20 Jahren wird sich jeder (Stadt-)Mensch jederzeit in jedes (neue) Auto setzen können, das er gerade braucht oder will. Eigene Autos wird sich nur noch der leisten, der sich das leisten kann und will, nicht weil er ein Auto braucht: In jeder Stadt werden genug Fahrzeuge jeder Art zur freien Verfügung herum stehen – und deshalb wesentlich ausgelasteter sein als die unzähligen Dauerparker, die heute den ganzen Wochentag darauf warten, dass sie 3-13 Kilometer bewegt werden. Ich freu mich drauf.

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Fazit car2go Black

Tolle Erweiterung der vorhandenen Carsharing-Angebote Solange Mobilnetz da ist, ist die Miete total easy:
– keine Reservierung
– keine Kaution
– kein Volltanken vor Mietende
– Account reicht
– Kurzanleitung für ein paar Auto-Funktionen wäre hilfreich
– Andere Modelle (Kombis & Cabrios) wären großartig Kosten ähnlich herkömmlicher Mietwagen

Fazit B-Klasse

Premiumausstattung hat schon was
– Leder
– Navi
– Automatik
– Multi-Smartphone-Ladekabel (yay! )
– Ohne Gepäck viel Platz für vier Leute
– Ohne Leute viel Platz für Gepäck
– Fährt sich wie ein superfluffiges Marshmallow
– Passen tut das Auto nicht zu uns, muss es aber auch nicht

Weiterführende Links und Infos

Presse

Leichter ans Ziel – egal womit – „Die Daimler-App Moovel vernetzt verschiedene Mobilitätsformen. Was wie Marketinggetue aussieht, könnte der Wandel von einem Automobil in einen Auto- und Mobilitätskonzern sein.“ Von Max Hägler, 11. Juni 2014

Ein Convenience-Angebot für Großstädter
Car2go weitet sein Geschäft aus. „Mit dem Carsharing von Daimler kann man bald auch von Stadt zu Stadt fahren – direkte Konkurrenz für Autovermieter.“ Von Christoph M. Schwarzer, 11. April 2014

Carsharinganbieter in Deutschland

car2go – Derzeit in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, München, Stuttgart, Ulm – Smart
(Wenn Ihr Euch mit dem Promo-Code 14C1DE10915_shamaniHH registriert, kostet die Anmeldung nur 9 Euro und ich bekomme ein paar Freiminuten)

car2go Black – Derzeit in Berlin und Hamburg – Mercedes B-Klasse

Drive Now – Derzeit in Düsseldorf, Hamburg, Köln, München – Mini und BMW, verschiedene Modelle (Teste ich bei nächster Gelegenheit)

Flinkster (DB Rent) – In über 140 Städten und an über 800 Stationen in Deutschland verfügbar, verschiedene Fahrzeuge

Info-Seiten

Carsharing-Blog – Weitere Anbieter und Hintergrundinfos

Carsharing News – Aktuelle Informationen rund ums Carsharing

Carsharing Vergleich – Preisvergleich einiger Anbieter

 

Kosten car2go Black

Pro angefangene Stunde – 9,90 Euro – inkl. 50km

Pro Tag (24h) – 49,00 Euro – inkl. 50km

Jeder weitere Kilometer 0,29 Euro

Hinweis: Dieser Artikel ist 2014 bereits auf meinem Blog Content is a Queen erschienen. Daimler hat die car2go-Black-App kurze Zeit nach meinem Artikel verbessert und das Prozedere vereinfach. Inzwischen stehen car2go Black auch an Bahnhöfen und ZOBs auf für sie vorgesehenen Parkplätzen bereit. 

    

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